Heute möchte ich hier ‘mal zeigen wie ich eine hochwertige digitale Bearbeitung eines Portraits vornehme. Das Ausgangsbild ist ein Selbstportrait, dass beim Eintesten eines Sets entstanden ist; Folglich steckt in dem Bild noch ein großes Verbesserungspotenzial, welches ich folgend Schritt für Schritt aufzeigen werde. Los geht’s:


1. Zuerst dupliziere ich die Hintergrundebene. Dann wende ich den “Hochpassfilter” auf die neue Ebene an; In diesem Fall mit einer Einstellung von 5,5 Pixeln. Diese Ebene wird dann durch “Ineinanderkopieren” mit den darunterliegenden Ebenen verrechnet. Dies führt dazu, dass die Texturen im Bild (vorallem die Hautporen) verstärkt werden.
Doch jetzt blende ich diese “Hochpass-Ebene” erst einmal aus, da ich sie erst zu einem späteren Zeitpunkt benötige.
Jetzt geht es zunächst darum alle Hautunreinheiten, Glanzstellen und Hautrötungen zu entfernen. Und das geht so:
2. Ich dupliziere mir nochmals die HG-Ebene; Diese ist nun meine Retusche-Ebene auf der ich ausschließlich mit dem Stempelwerkzeug arbeiten werde. Ich verwende einen Stempel mit 0% Kantenhärte und variiere die Deckkraft zwischen 5-15%. Ebenso varriert die Stempelgröße sehr stark je nach dem welche Stellen ich gerade retuschiere.
Ganz wichtig ist es, die Quelle des Stempels ständig zu ändern. Da ich mit sehr geringer Deckkraft stemple ist hier Geduld erforderlich. Hier können schon ‘mal 1000 Klicks notwendig sein. Wenn man alles richtig macht, hat man im Anschluss an die Klick-Orgie eine extrem geglättete Haut mit optimalen Verläufen und nur noch sehr wenig vorhandener Hauttextur.

3. Nun kümmere ich mich um die Stellen, die mit dem Stempel nicht so gut zu retuschieren sind, wie z.B. die Stirnbereiche unterhalb des Schattens der Mütze und die Stellen die härtere Verläufe aufweisen. Hier arbeite ich mit dem Gaußschen Weichzeichner.
Mit dem Lasso-Werkzeug und einer weichen Auswahlkante von ca. 20 Pixeln wähle ich die entsprechenden Stellen aus und kopiere diese auf eine neue Ebene. Diese Ebene wird dann mit dem Gaußschen Weichzeichner so stark behandelt, bis keine Struktur mehr vorhanden ist und ich einen perfekten Verlauf erhalte. Je nach Größe meiner Lasso-Auswahl verwende ich eine Weichzeichner-Einstellung von 5-35 Pixel.

Folgend ein wichtiger Schritt, der nicht ausgelassen werden darf: Die weichgezeichneten Ebenen benötigen noch eine Grundstruktur. Diese erzeuge ich, indem ich zuerst ein leichtes Rauschen einrechne, das ich gleich wieder ganz subtil weichzeichne. Für meinen Datensatz hat sich ein Rauschen von 0,8% und eine Weichzeichnung von 0,3 Pixel bewährt.


Hier sieht man die von mir verwendeten Einstellung, um eine Grundstruktur in weichgezeichnete Ebenen zu rechnen.
Den gesamten Punkt 3 führe ich an allen notwendigen Stellen durch. Die dadurch neu entstandenen Ebenen (bei mir waren das fünf Stück) fasst man besten zu einer neuen Gruppe zusammen, damit man den Überblick nicht verliert.
4. Die Augen sind mit das wichtigste in einem Portrait: Je markanter die Augen, desto intensiver das Portrait. Ganz wichtig ist es jedoch vorsichtig vorzugehen und nicht zu übertreiben.
Zuerst möchte ich die Tiefen der Augenhöhlen etwas aufhellen. Mit dem Lasso-Werkzeug und einer weichen Kante von ca. 15 Pixeln wähle ich den Bereich aus und erstelle mir mit dieser Auswahl eine neue Ebene von meiner Hauptebene. Dann verwende ich die Korrektur-Funktion “Tiefen-Lichter”. Aufpassen! Weniger ist mehr. Falsch angewendet kann diese Funktion den Datensatz zerstören und führt schnell zu einem sehr unnatürlichen, künstlichen Eindruck.

5. Je nach Geschmack kann man jetzt noch das Augenweiß und die Iris ein wenig forcieren. Die notwendigen Auswahlen treffe ich hier auch über das Lasso-Werkzeug mit einer weichen Kante von 3-5 Pixeln. Wie unten zu sehen, habe ich eine leichte Tonwertkorrektur, eine schwache Kontraststeigerung und eine Erhöhung der Dynamik vorgenommen. Alle Änderungen sind jedoch sehr subtil, um ein Abgleiten ins Künstliche zu vermeiden.

6. Zum Schluß verpasse ich den Augen noch einen Reflex. Im Bild ist zwar ein solcher Glanzpunkt vorhanden, dieser ist jedoch, vorallem im rechten Auge, zu schwach.
Ich lege hierfür eine neue, leere Ebene an, wähle einen geeigneten Pinsel (hier einen Sternartigen) mit dem ich mit 100%iger Deckkraft in reinem Weiß über die vorhandenen Reflexe einen neuen Glanzpunkt male. Hier kann man mit verschiedenen Pinselspitzen und -größen spielen, bis man mit dem Ergebnis zufrieden ist.

7. Jetzt aktiviere ich die Hochpassebene, die ich zu Beginn erstellt habe und erhalte dadurch über der glatten, strukturlosen Haut wieder eine ganz natürliche Textur. Diese ist mir momentan aber noch zu stark; Deshalb reduziere ich die Deckraft der Hochpass-Ebene auf ca. 50%. Je nach Lichtführung, Hauttyp und erwünschter Bildwirkung kann man diese Textur natürlich ganz unterschiedlich stark auslegen.

8. Die Pflicht ist geschafft jetzt noch die Kür: Die finale “Tonwertkorrektur”. Ich bringe die gesamten Tiefen und Lichter im Bild auf ‘Anschlag’, damit das Bild richtig ‘knackt’. Tipp: Während des Schiebens an den Reglern für Tiefen und Lichtern die alt-Taste gedrückt halten, um zu sehen wann die Tonwerte ihre Zeichnung verlieren.

9. Zu guter letzt und das ist jetzt wirklich reine Geschmackssache, verpasse ich dem Bild noch einen etwas eigenen ‘look’ , in dem ich ihm “Dynamik” entziehen und ein wenig mit der “Farbbalance” spiele. Fertig.

Hier nochmals zum Vergleich: Vor der Bearbeitung und danach. Ich hoffe meine Tipps haben euch geholfen und das Tutorial hat euch nicht gelangweilt.

