Photoshop Tutorial: Hautretusche und Erläuterungen zur Komposition

Anknüpfend an das vorherige Tutorial zum Thema Portraitretusche möchte ich nun einen etwas anderen Weg  aufzeigen, der qualitativ und von der Anmutung her zum gleichen Ergebnis führt.
Darüber hinaus gehe ich noch ein wenig auf die Gestaltung und die Komposition des Bildes ein.

Mein Ausgangsbild habe ich aus dem Lightroom als 16Bit-Tiff exportiert wobei ich die Schwarzsättigung ein wenig angehoben und die „Klarheit“ deutlich reduziert habe.

Im Photoshop dupliziere ich mir zuerst meine Hintergrundebene. Auf der neuen Ebene entferne ich mit dem Stempelwerkzeug alle Sensorflecken (ja, ich geb’s zu: Ich habe einen verdreckten Sensor) und auch alle groben Hautunreinheiten. Dieser Schritt ist grundlegend, da ich später aus dieser Ebenen eine Strukturebene mit dem „Hochpass“ erzeugen will und auf der will ich keine Kratzer, Flecken oder Pickel haben.

Bild 01Bild 02

Links das Ausgangsbild. Rechts die Stempelretusche.

Nun geht es mir darum mit dem „Gaußschen Weichzeichner“ der gesamten Haut eine Anmutung von Porzellan zu geben. Ich wähle mit dem „Lasso“ und weicher Kante (10-25 Pixel) mir einzelne Stellen aus und kopiere diese auf eine neue Ebene. Dann geht es wie im vorherigen Tutorial beschrieben bei jeder neuen Ebene nach dem gleichen Muster: Weichzeichner drüber legen (5-35 Pixel), “Rauschen” (o,8%) hinzufügen und nochmals minimal weichzeichnen (0,3 Pixel).

Bild 03Bild 04Ich suche mir einzelne Segmente raus, die in sich geschlossene Flächen darstellen, um die Modulation des Gesichts nicht zu zerstören. Würde ich großflächiger den Weichzeichner anwenden wäre ich schneller, die Qualität der Retusche würde dadurch allerdings beeinträchtigt werden.

Bild 05

ebenen_weichzeichner

Nun gehe ich zurück auf meine retuschierte Basisebene und dupliziere diese. Ich lasse den „Hochpassfilter“ (3-5 Pixel) drüber laufen, positioniere diese Ebene an oberster Stelle in meiner Ebenen-Hierarchie und verrechne die Hochpassebene durch „ineinanderkopieren“.

hochpass_gesamt

Dann kümmere ich mich um die Augen. Ich bediene mich der gleichen Technik wie bei der Hautretusche: Ich wähle die Augen mit dem Lasso und weicher Kante aus, kopiere diese Auswahl von meiner Basisebene ausgehend auf eine neue Ebene und behandle diese mit dem Hochpass, um sie schließlich durch ineinanderkopieren zu verrechnen.

Bild 09Bild 08

Da ich nur die Iris und nicht die Adern im Auge forcieren möchte, maskiere ich das Augenweiß aus. So gefallen mir die Augen sehr gut; Ich finde hier sind keine weiteren Korrekturen notwendig.

haut_detail_vorher

haut_detail

Die Gesichtsretusche ist damit für mich abgeschlossen. Nun kann ich mich um die Anmutung  des Bildes kümmern: Ich möchte eine kühlen, ‘ikonenhaften look’ erzeugen; Dies versuche ich so: Ich reduziere die „Dynamik“, dann lege ich einen Kaltfilter darüber und spiele noch ein wenig mit den Tonwerten.

look

Mit der Lichtführung im Bild bin ich auch noch nicht ganz zufrieden. Ich möchte mehr Fokus auf die Augen; Das Ohr stört mich auch sehr. Deshalb wähle ich den entsprechenden Bereich mit dem Lasso und einer sehr weichen Kante (ca. 200 Pixel) aus und wende eine Tonwertkorrektur auf sie an. Ich reduziere den Tonwertumfang so weit, dass nur noch ein reines Schwarz übrigbleibt.

abdunkelnTonwertkorrektur 2

Jetzt fehlt mir noch das ‘gewisse Etwas’ in dem Bild. Ich werfe einen tiefen Blick in mein ‘Bastelarchiv’ und finde Aufnahmen von Zigarettenrauch die ich einmal angefertigt habe. Damals habe ich den Rauch vor einem schwarzem Hintergrund und ausschließlich mit Gegenlicht fotografiert. So kann ich jetzt ganz wunderbar die Rauchaufnahmen in mein Bild integrieren, indem ich sie einfach „negativ multipliziere“. Ich kontrolliere nochmals, dass der Hintergrund der Rauchaufnahmen auch tatsächlich rein Schwarz ist (0/0/0) und ordne die Aufnahmen dann spannend innerhalb des Portrait an.

Bild 12Bild 13Bild 14

Jetzt gefällt mir die Überlappung des Rauchs mit dem Gesicht noch nicht ganz. Aus diesem Grund versehe ich die Rauchebenen mit Masken und male auf diesen mit dem Pinsel um die Stellen zu verbergen, die mir nicht gefallen.

kompositionZum Abschluss möchte ich noch ein paar Worte zur Komposition des Bildes verlieren. Warum hat dieses Bild, unabhängig ob man dessen pathetische Anmutung mag oder nicht, eine gewisse Spannung und wie kommt diese Zustande?
Wie man hier sehen kann liegen die Augen auf einer Konstruktionslinie des „Goldenen Schnitts“ (siehe Gitterlinien). Dies führt bei Portraits immer zu einer sehr starken Präsenz der Person im Bild.

Der nächste Punkt der eine Rolle spielt, ist die Blickrichtung des Portraitierten; Sie durchquert das Bild in einer Diagonalen, die vom Betrachter unbewusst als Kompositionslinie wahrgenommen wird. Diagonale Kompositionslinien erzeugen immer mehr Spannung und Dynamik als vertikal oder horizontal verlaufende.
Wenn man den Rauch betrachtet, „spielt“ er mit dieser Diagonalen. Er schlängelt sich im oberen Bereich um sie herum und bricht sie im unteren Teil des Bildes. Dies erzeugt zusätzlich Spannung. Durch die Positionierung des Rauchs wird das Auge des Betrachters geführt. Unten rechts wird das Auge an die Hand genommen, da hier der Rauch auf den Betrachter zukommt, und von ihm nach oben hin durchs Bild geführt.
Die helle Stelle im Rauch, in der oberen Ecke des Bildes bietet einen Kontrapunkt zu den Augen, der auf der erwähnten (unsichtbaren) Kompositionslinie liegt.
Durch die hier beschriebenen Faktoren ruht das Auge des Betrachters sehr wenig, sondern ist ständig in Bewegung. Wenn diese Bewegung dadurch gekennzeichnet ist, dass sie auf gewissen Bahnen/Linien im Bild verläuft ist ein Foto gut komponiert.

So, ich hoffe der letzte Teil dieses Tutorials hat den geschätzten Leser nicht gelangweilt und der eine oder die andere konnte für die eigene Retuschearbeit eine Anregung gewinnen.

1 Comment

  1. Dezember 14th, 2011
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