Die Papierkunst des Simon Schubert
In den weniger reinen Randbezirken des Netzes bin ich vor kurzem auf einen wahren Goldschatz gestoßen, den ich in einem dieser so genannten Picdumps nie erwartet hätte. Es handelte sich dabei um Bilder aus weißem Papier.
o.T. (Portrait Samuel Beckett frontal), 2005, 90 cm x 75 cm (© s.u.)
Simon Schubert faltet Papier. Er benötigt keine Farben, weder Pinsel noch Stift um Räumlichkeit für den Betrachter zu konstruieren. Was für andere nur Trägermaterial, auf dem sie mit Farben und Pigmenten arbeiten, ist für Simon Schubert Gegenstand seiner Kunst. Er reduziert und erhebt sein Medium so gleichermaßen.
Als faszinierend empfinde ich, wie in Schuberts Papierwerken aus scheinbarer Zweidimensionalität Raumwirkung und Plastizität entsteht, die einerseits sehr kraftvoll, andererseits aber subtil und zerbrechlich daherkommt.
Ich habe mit Herrn Schubert ein kurzes Interview über seine Kunst und Arbeitsweise geführt:
Was hat Sie zu der Idee hinter ihren Papierwerken inspiriert?
Während des Studiums an der Kunstakademie Düsseldorf habe ich einige Jahre als Assistent des Philosophieprofessors Dr. Paul Good gearbeitet. Hierbei bin ich mit dem Werk Samuel Becketts in Kontakt gekommen. Die erste Faltarbeit war ein Versuch ein Portrait von Samuel Beckett auf mehreren Ebenen zu schaffen. Einerseits das von Falten geprägte Gesicht direkt wiederzugeben andererseits an die Auflösung der Sprache bei Beckett anzuknüpfen und eine Zeichnung ohne Strich zu schaffen, also die Zeichnung aufzulösen. Reduktion bis ins Weiß.Welche Techniken stecken in ihrer Faltkunst? Nutzen Sie ausschließlich ihre Hände oder auch andere Hilfsmittel? Handelt es sich um reines Falzen oder auch Prägen?
Ich falte die Bilder mit speziellen Werkzeugen. Die genaue Vorgehensweise verrate ich nicht. Die Bilder sind fast ausschließlich gefaltet, nur ganz selten arbeite ich mit ritzen oder prägen.Beschreiben Sie bitte den Entstehungsprozess eines solchen Bildes. Fertigen Sie Entwurfszeichnungen? Nutzen Sie Fotografische Vorlagen?
Ich skizziere und zeichne die Bilder vorher. Fotos verwende ich nur in Ausnahmefällen, z. B. bei extrem komplizierten Treppen. Die meisten Bilder sind allerdings konstruiert.Wie lange benötigen Sie für die Fertigung eines Bildes?
Circa eine Woche.Wie sieht ein typischer Arbeitstag in ihrem Leben aus?
8 Uhr fange ich meistens an zu arbeiten und leider wird es sehr oft sehr spät.
Kann ein Künstler nicht anders und wird durch seine Struktur zur Kunst getrieben, oder kann Kunst auch erarbeitet werden?
Kunst ist vorallem sehr viel Arbeit. Mit dem klischeehaften Bild des Künstlergenies kann ich nichts anfangen.Kennen Sie den Zustand der fehlenden Inspiration? Wenn ja, wie gehen Sie in diesen Situationen damit um?
Bisher hatte ich zum Glück noch keine längeren Phasen fehlender Inspiration. Ich bearbeite in den Vorbereitungen für Ausstellungen zumeist Themen die mich beschäftigen und es drehen sich meist alle Arbeiten dann um einen zentralen Gedanken. Dadurch ergeben sich die meisten Bilder dann fast von selbst.Wie schwer ist es oder war zu es Beginn ihrer Karriere von der eigenen Kunst zu leben? Was würden Sie Menschen raten, die eine künstlerische Laufbahn einschlagen wollen?
Grundsätzlich ist es sehr schwer von der eigenen Kunst zu leben und ich glaube es können nur ungefähr 4% der ausgebildeten Künstler von ihrer Kunst leben. Bei mir ist es sicherlich sehr von Vorteil, dass ich eine neue Technik entwickelt habe. Ich würde weder abraten noch dazu raten. Es muss aber klar sein, dass das Leben als Künstler sehr hart sein kann.Vielen herzlichen Dank Herr Schubert.
Simon Schubert hat mir für diesen Artikel eine Auswahl seiner neueren Arbeiten (entstanden 2010) zur Verfügung gestellt. Ich freue mich sehr diese hier zeigen zu können:
© Simon Schubert, courtesy Kudlek van der Grinten Galerie, upstairs berlin gallery

































